Der Ernstfall kommt näher: Bundeswehr übt wieder Flugblatt-Abwurf

Der Ernstfall kommt näher: Bundeswehr übt wieder Flugblatt-Abwurf

Görlitz. Es wird ernst – die Bundeswehr stellt sich verstärkt auf den Ernstfall und damit verbundene unübersichtliche Situationen ein. Das betrifft nicht nur den Kampf gegen einen äußeren Feind, sondern auch die Lage im Inneren. Auch hier kann es zu Verwirrung und unklaren Frontverläufen kommen.

Deshalb übt die Bundeswehr derzeit in der Oberlausitz das Abwerfen von Flugblättern. Diese werden mit Hilfe von Heliumballons in die Luft geschickt. Im Ernstfall sollen so Menschen informiert werden, die anders schlecht zu erreichen wären, teilt das Landeskommando Sachsen mit. Im Rahmen der Übung werden lediglich Übungsflugblätter abgeworfen, auf denen ein Symbol und ein Text für den Finder abgedruckt sind. Im Ernstfall kann es zum Beispiel um Warnungen der Bevölkerung vor einer akuten Gefahr oder um lebenswichtige Informationen gehen.

Zwar sollen die Übungs-Flugblätter auf dem Truppenübungsplatz Oberlausitz ankommen - je nach Wind und Wetter könne es aber passieren, daß sie von ihrer Flugbahn abkommen und in den umliegenden Ortschaften landen. Weil Flugblätter bis Polen und in die Tschechische Republik abdriften könnten, habe man auch die Nachbarländer informiert.

Die Übung „Colder Iron 2026“ diene der Truppe zur Festigung ihrer Fähigkeiten, hieß es. Für das Training des Zentrums Operative Kommunikation der Bundeswehr sind rund 100 Soldaten aus Mayen in Rheinland-Pfalz nach Sachsen zum Flugblattabwurf verlegt worden. Dabei handelt es sich im übrigen um eine bewährte Praxis aus beiden Weltkriegen. Im Ersten Weltkrieg machte sich der italienische Schriftsteller Gabriele d´Annunzio mit einer spektakulären Flugblattaktion über Wien einen Namen, und im Zweiten Weltkrieg wurden Flugblätter unter anderem zur Demoralisierung der Zivilbevölkerung abgeworfen oder, um gegnerische Soldaten zum Desertieren zu bewegen. (rk)

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